Führung durch die aktuelle Sonderausstellung im Stadtmuseum

Auf Einladung des Buga-Fördervereins versammelten sich zwölf Mitgliederinnen und Mitglieder, teilweise mit Partner, im Foyer des Stadtmuseum. Kulturamtsleiter Felix Eckerle begrüßte die Gäste und freute sich über die vielen Kulturangebote, die vom Verein in Gera angeboten werden. Die Ausstellung besteht aus zwei Teilen. Die Besucher des Vereins erhielten eine Führung im Stadtmuseum, wo vor allem Werke seines frühen Schaffens von seinem Leben am Meer von Cape Cornwall zu sehen sind.
Karl Weschkes Leben in Gera
Für Karl Weschke (1925-2005) waren es die frühen Lebensjahre, die ihn schließlich bewogen, dass Gera nicht wieder sein Lebensmittelpunkt wurde. Geboren in Taubenpreskeln, lernte er ganz früh die Prostitution seiner Mutter kennen. Familiäre Beziehungen, ein Elternhaus hatte er nie. Seine Jugend verbrachte er in den Straßen und Gassen Geras als Gossenkind. Er hasste seine Mutter, obwohl er weiter mit ihr zusammenleben musste. Einen Halt fand er in der Hitlerjungend, wo er sich erstmalig anerkannt fühlte. Geprägt von der Ideologie des Nationalsozialismus suchte er seine Verwirklichung in der deutschen Luftwaffe und geriet 1945 in britische Kriegsgefangenschaft. Für ihn brach mit dem Bekanntwerden der Naziverbrechen eine Welt zusammen. Er entschied sich letztendlich auch deshalb, nicht mehr nach Deutschland zurückzukehren.
Förderung der Malerei und erste Anerkennungen
Während der Zeit in den Gefangenen und Umerziehungslagern begann Karl Weschke wieder zu malen. Schon als Kind zeichnete er Dinge, die ihm auf der Seele brannten. Nach mehreren Aufenthalten in Schottland, Spanien und Schweden zog er sich in die raue und karge See- und Bergbauregion am Cape Cornwall zurück, die bis zum Tod 2005 seine Wahlheimat blieb.
In seiner Kunst thematisiert Weschke die existentiellen Beziehungen zwischen Natur und Mensch, Mensch und Tier oder Tier und Mensch. Die Erfahrungen seines Lebens, ein Leben am Rande der Gesellschaft, Gewalt und Leid, Einsamkeit und Trost, aber auch Liebe und Zärtlichkeit setzte er in seinen Werken um. Seien Bilder sind vor allem von dem Gefühl der Empathie für die Leidenden durchdrungen. Obwohl er durch Vermittlung einige Kunstgeschichtskurse an der Universität Cambridge absolvierte, blieb er sein Leben lang ein Autodidakt. In seinen Anfangswerken dominieren dunkle Brauntöne und düstere Darstellungen. Zum einen sind diese geprägt von dem rauen Klima mit Regen und Sturm und der Kraft des Atlantiks, seinen Erfahrungen als Kriegsgefangener, aber auch durch die Erlebnisse der Kindheit. Vielleicht auch deshalb spielten Beziehungen zu Frauen im Leben von Karl Weschke eine große Rolle. Mit vier Frauen zeugte er fünf Kinder. In erster Ehe war er mit Alison de Veredem Maler Karl Weschke verheiratetAlison de Vere (1927-2001) verheiratet. Sie war eine preisgekrönte Zeichentrickfilmkünstlerin, die heute zu den bedeutendsten Animationsfilmemacherinnen in England gehört. Beide haben einen gemeinsamen Sohn. Trotz späterer Scheidung blieb die künstlerische Zusammenarbeit ein Leben lang bestehen und Karl Weschke wirkte an Ideen und Zeichnungsvorlagen für einige ihrer Filme mit. Der Film „CAFE BAR“ aus dem Jahre 1974 läuft als Schleife auf einem Monitor in der Ausstellung.

Erst nach seinen Aufenthalten in den 1990-er Jahren in Ägypten veränderten sich seine Bilder, sie wurden heller und farbiger. Diese meist großformatigen Arbeiten sind im zweiten Teil der Ausstellung in der Orangerie zu sehen.
Heute zählt Karl Weschke zu den bekanntesten deutsch-englischen Malern, der vor allem bereits in den 1970-er Jahren in seiner Wahlheimat erste Anerkennungen erhielt. 1994 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der University of Plymouth verliehen. In Deutschland und Europa blieb er in den Anfangszeiten weitestgehend unbekannt.
Karl Weschke und Gera
Holger Saupe, Kurator der Karl Weschke-Ausstellung und Leiter der Kunstsammlungen Gera, holte bereits 2001 das Werk des Künstlers in einer ersten großen deutschlandweiten Schau nach Gera. In Vorbereitung dieser Schau lernte er Weschke in seinem Zuhause in Cornwall kennen und konnte diese Begegnungen in die damalige und auch diesjährige Ausstellung einfließen lassen.
Nach 1988 weilte Karl Weschke mehrmals zu Filmaufnahmen in Gera. Der Film „Karl Weschke – Mythos eines Lebens“, von Thomas Grube, erlangte in ganz Deutschland große Beachtung.
In Jahre 2003 erhielt er das deutsche Bundesverdienstkreuz am Bande und ein Jahr später wurde er Ehrenbürger der Stadt Gera.
Während der feierlichen Eröffnung der Ausstellung im Kongress- und Kulturzentrum Gera sprach Sakia Renner, Historikerin und Enkelin von Karl Weschke, zu den Anwesenden. Sie schätzte ihren Großvater sehr, obwohl er ein ambivalenter Mensch war. In sehr persönlichen und emotionalen Worten berichtete sie von ihm und ließ damit die Anwesenden am Privatleben des Künstlers teilhaben. Die in diesem Jahr erschienene Biografie „Karl Weschke: Painting Order Out of Chaos“ wird Sakia Renner ins Deutsche übertragen und veröffentlichen. Zu dieser Ausstellung ist ein 120-seitiger Katalog erschienen, der bereits Ausschnitte aus dieser Weschke- Biografie enthält und in Kürze an den Museumskassen zu erhalten ist.









Fotos: Wolfgang Hesse